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Eine vertraute Szene spielt sich heutzutage oft auf einem Bildschirm ab: Eine Geburtstagsfeier mit einer Tasse Kaffee in der Hand und einem Stückchen Kuchen auf dem Teller, aber das alles über den Laptop, der auf dem Küchentisch steht und ein Videogespräch mit Freunden in einem anderen Teil der Welt ermöglicht. Lachen kommt mit einer gewissen Verzögerung an. Ein Kind wächst zwischen zwei Besuchen heran. Jemand fragt: „Wann kommst du wieder einmal?“ Die Antwort bleibt oft vage, denn Planung ist für Expats kompliziert.

In der kürzlich ausgestrahlten KRO-NCRV-Dokumentation „Anne sucht Freunde“ (auf Niederländisch) (Neues Fenster) wird deutlich: Freundschaften verändern sich mit dem Älterwerden. Sie sind weniger selbstverständlich, seltener, aber nicht unbedingt weniger wichtig. Zeit, Arbeit und Familie kommen dazwischen. Wenn man dazu noch im Ausland lebt, in anderen Zeitzonen und weit weg, kann man sich die Frage stellen: „Was passiert mit Beziehungen, wenn die Nähe wegfällt?“

Freundschaft – eine Analyse

Freundschaft hat eine physische Komponente. Freundschaft wächst durch gemeinsame Aktivitäten: zusammen Kaffee trinken, sich zufällig begegnen, an denselben Orten sein. Vieles von dem, was eine Beziehung lebendig hält, geschieht unbemerkt in kleinen, wiederkehrenden Momenten.

Lebt man als Expat außerhalb Europas, entfällt diese selbstverständliche Nähe und wird durch bewusste Planung ersetzt. Man verabredet sich nicht mehr „mal eben“ oder „schaut einfach mal kurz vorbei“. Man organisiert und rechnet um Zeitzonen und Terminkalender herum. Der Kontakt ist nicht mehr spontan, aber deshalb nicht weniger aufrichtig. Mehr noch: Manche Freundschaften vertiefen sich gerade durch die Entfernung. Die Gemeinsamkeiten verbinden umso stärker, je seltener man sich sieht. Gespräche kommen schneller auf den Punkt. Es bleiben die stabilen Beziehungen, die der Entfernung standhalten. Andere gehen verloren. Freundschaften, die einst selbstverständlich waren, gehen manchmal lautlos zu Ende - nicht aufgrund von Konflikten, sondern durch zu große Stille. Das Leben bewegt sich in unterschiedliche Richtungen und es gibt keinen natürlichen Schnittpunkt mehr.

Was bedeutet es, „da zu sein“?

In einer Welt, in der Kommunikation jederzeit möglich ist, ist man förmlich immer präsent. Man kann jederzeit (Video-)Anrufe tätigen oder schreiben. Was aber bedeutet es, ohne physische Anwesenheit wirklich für jemanden da zu sein?

Für viele Expats bedeutet Präsenz nicht mehr, denselben Raum zu teilen. Präsenz dreht sich vielmehr um Aufmerksamkeit: eine Nachricht zum richtigen Zeitpunkt, ein Telefonat, das länger dauert als geplant, eine unerwartete Geste trotz Entfernung.

Bei all‘ dem gibt es dennoch etwas, das nicht ersetzbar ist. Physische Präsenz, ein gemeinsamer Kontext, sogar das gemeinsame Schweigen. All das sind Gegebenheiten, die sich nicht digitalisieren lassen. Technologie überbrückt Entfernung, aber das Gefühl physischer Abwesenheit bleibt bestehen.

Neue Netzwerke, eine andere Art Nähe

Zugleich entstehen an den Orten, an denen man lebt, neue Beziehungen. Andere Expat-Mitarbeiter, internationale Kollegen, Nachbarn, deren Lebensweise derselben Mobilität folgt. Diese Netzwerke haben ihre eigene Dynamik. Da jeder weiß, dass die gemeinsame Zeit schnell vorbei sein kann, findet man oft rasch zueinander. Doch die Kontakte sind zerbrechlicher, denn die Abreise hängt stets in der Luft.

Es entsteht ein vielschichtiges Beziehungsgeflecht: alte Freundschaften, die trotz der Entfernung bestehen bleiben, familiäre Bindungen, die sich um Besuche herum neu ordnen, und neue Beziehungen, die auf das Leben vor Ort zugeschnitten sind. Keine dieser Ebenen ersetzt die andere, alle existieren nebeneinander.

Entfernung wirkt wie ein Filter. Manche Beziehungen lösen sich auf, andere bleiben bestehen, aber nicht unbedingt aus Gründen, die man im Vorfeld erwarten würde. Freundschaft ist weniger eine Frage der gemeinsamen Vergangenheit, sondern eine Frage der ständigen Abstimmung. In der Dokumentation hören wir: Freundschaft erweist sich eher als eine Wahl. Eine Wahl, sich immer wieder dafür zu entscheiden, auch wenn es wegen der Entfernung einfacher wäre, es nicht zu tun.

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